Den Grundstein legte das Herrscherhaus der Burg Bernstein, als es bereits vor 1388 Menschen in unserem Raum ansiedelte.
Von dieser Zeit an wurde Wiesfleck ab dem Jahre 1388 urkundlich erwähnt, und die Entwicklung nahm seinen Lauf. "Wysfleck" war der erste Name unserer Gemeinde bis zum Jahre 1392.
Laut der Litschauer Geschichte vom Burgenländischen Landesarchiv trug unser Ort im Jahre 1392 die Bezeichnung "Belric". Später dürfte dieser Name wieder geändert worden sein.
Auch der Umstand, daß unser Lebensraum zu Ungarn gehörte, konnte unsere Ahnen nicht entmutigen. Damals hieß Wiesfleck "Ujretfalu".
Der Ortsname Wiesfleck stammt wie Wysfleck aus dem Deutschen. Die Erklärung ist denkbar einfach.
Große Wiesen inmitten riesiger Waldungen. 1392 taucht der Name Belric für Wiesfleck kurzfristig auf, was auf slawischen Einfluss hindeutet. Ebenso der Riedname "Zicken", was auf Eisenfunde
hinweisen könnte.
Im Jahre 1971 wurde Wiesfleck durch das Gemeindestrukturgesetz mit den früheren - ebenfalls autonomen - Gemeinden Schreibersdorf, Weinberg und Schönherrn zur Großgemeinde Wiesfleck vereint und zählte nun 1132 Einwohner.
Nun waren die Weichen für den Aus- und Aufbau gestellt. Manches schmucke Einfamilienhaus entstand, und auch die Landwirtschaft versteckt sich nicht mehr hinter kleinen Fenstern. Durch Maschinen
und Einsatz moderner Geräte konnte die bäuerliche Arbeit gemindert, der Ertrag aber enorm gesteigert werden.
Bereits 1950 strahlte zum ersten Mal elektrisches Licht aus den Fenstern. Mit dem Beginn des Güterwegbaues Pinkafeld - Wiesfleck - Schreibersdorf im Jahre 1953 konnte eine jahrhundertelang
dauernde Misere abgestellt werden.
Bis dahin waren diese Ortschaften nur zweimal im Jahr mit normalen Fahrzeugen zu erreichen.
1960 erfolgte der Schulzubau mit Lehrerwohnhaus.
1962 der Bau der neuen Brücke über den Zickenbach (Seraubach) und Baubeginn der Ortswasserleitung.
1969/70 wurde die Dorfstrasse asphaltiert und die Straßenbeleuchtung installiert.
1969 konnte die Ortswasserleitung fertig gestellt werden.
1970 wurde ein Kassengebäude für die Raiffeisenfiliale nahe dem Kriegerdenkmal errichtet.
1976-1978 Kindergartenbau.
Nov. 1980 Übergabe der Leichenhalle auf dem evangelischen Friedhof.
1981 Mehrzweckhalle mit Bauhof zur Unterbringung und Pflege des Fuhrparks.
Am 2. Mai 1986 wurde der Großgemeinde Wiesfleck ein Gemeindewappen verliehen:
"In silbernem Schild aus einer erniedrigten, mit einem silbernen Baum belegten grünen Spitze ein mit drei senkrechten schwarzgerandeten silbernen Rauten gelegter grüner Pfahl; in Silber vorne ein
grüner Weinstock, hinten ein grüner Brunnen."
1987 wird an der Aufbereitungsanlage für die Wasserversorgung der Großgemeinde gearbeitet.
1989 ging diese in Betrieb.
Die Schule Wiesfleck
Sie wird im Jahre 1726 das erste Mal erwähnt.
Im Jahre 1757 wird in der Filiale Wiesfleck keine Schule und kein Lehrer in der kanonischen Visitation angeführt.
Filialkirche Wiesfleck
An der Ostseite der Ortschaft Wiesfleck liegt die Filialkirche zu Ehren des hl. Erhard. Erhard war Bischof von Regensburg (um 700 n. Chr.) und wird in dieser Stadt verehrt, so dass mit Sicherheit
angenommen werden kann, daß der Ort Wiesfleck einmal im Besitz des Klosters Nieder-Altaich war.
In der Tat vermutet man in der Gegend der Drei-Länderecke einen solchen Besitz. Der frühgotische Altarraum der Filialkirche, der früher eine eigene Friedhofskapelle gewesen sein dürfte, weist auf
ein hohes Alter hin und scheint diese Annahme zu bestätigen.
Evangelische Kirche Wiesfleck
Von Anfang an war es unbestritten, daß die etwa 60 evangelischen Häuser in Wiesfleck zur Gemeinde Pinkafeld gehören sollten. Freilich waren die Bewohner des Ortes in wirtschaftlicher Hinsicht,
wie schon die Verpflichtungserklärungen für den Kirchenbau 1752 zeigen, nicht eben begünstigt.
So dauerte es auch ein wenig länger als in Riedlingsdorf, bis es zur Errichtung einer evangelischen Schule kam.
Als Gründungsjahr der Schule wird in der Regel das Jahr 1806 angegeben. Die Kinderzahl wuchs an, die Vermögensverhältnisse der Gemeinde bleiben etwa gleichmäßig gut, so dass es 1873 gelang, ein
neues Schulhaus zu bauen. Eine Glocke wurde angeschafft, und am 26.10.1873 geweiht.
Im Jahre 1909 wurde es sogar möglich, eine zweite Schule zu erbauen.
Auch in Wiesfleck bedeutete das Jahr 1938 das Ende der evangelischen Schulen.
Im Februar 1974 beschloss die Gemeindevertretung der Tochtergemeinde Wiesfleck auf den Bau eines neuen Gemeindezentrums. An Stelle der Turmschule wurde 1974 durch ein ökumenisches Aufbaulager
unter Erhaltung des Turmes eine Kirche erbaut.
Am 26.09-1976 wurde diese Kirche geweiht und ihrer Bestimmung übergeben.
Ortsteil Schreibersdorf
Nach Litschauer Franz wurde Schreibersdorf schon 1338 erstmals urkundlich erwähnt.
Historisch teilt diese Gemeinde das Schicksal mit aller Gemeinden, die unter dem Herrschaftseinfluß von Bernstein standen.
Prickler weist in seiner "Geschichte der Herrschaft Bernstein" auf die Relatoriae-Urkunde des Eisenburger Kapitels vom 4. Mai 1388 hin, in der "Strebertorfh" erstmals erwähnt, urkundlich
aufscheint.
In späteren Unterlagen wird der Ort auch "Irofalu" genannt, was eine Übersetzung ins Ungarische sein könnte.
Später und bis zum Anschluss an Österreich hieß der Ort "Buglóc".
Von einer Schule, die auch von den evangelischen Kindern aus Schönherrn besucht wurde, hören wir erstmals 1830.
Damals wurde in Räumen einer aufgelassenen Glasfabrik unterrichtet. 1861 wurde eine neue Schule geweiht.
Durch Kriegseinwirkung ging im April 1945 sämtliches in der Volksschule Schreibersdorf aufliegendes Aufzeichungsmaterial über Schule und Gemeinde verloren.
Am 28. Juni 1959 wurde die neue Volksschule geweiht.
Von 1874 bis 1880 wurde in Schreibersdorf-Thalheim fabriksmäßig Glas erzeugt.
Ab 1895 bis 1901 baute eine französische Firma Braunkohle ab. Das Betriebsgebäude war das nunmehrige "Dr.-Kiesel-Heim". Die Kohle wurde mit einer Seilbahn zur Eisenbahnstation "Alt Pinkafeld"
gebracht.
Wegen der Unergiebigkeit des Kohlenvorkommens und der damit verbundenen Unrentabilität wurden Abbau und Seilbahn eingestellt.
7. Nov. 1954 Elektrifizierung von Schreibersdorf
1964 Bau eines Erholungsheimes
März 1967 das erste Gelähmtenheim entsteht im Burgenland
2. Nov. 1958 Kriegerdenkmalweihe
Anlässlich der 50jährigen Zugehörigkeit des Burgenlandes zu Österreich hatte der Fremdenverkehrs- und Verschönerungsverein Schreibersdorf auf die Initiative seines Obmanns Adolf Pöll ein Denkmal erreichtet. Es ist ein Gedenkstein, der aus Margaretener Sandstein vom Bildhauer Josef Lehner aus Ollersdorf errichtet wurde. Dem Gedenkstein ist auf einer Seite ein Bergknappe, auf der anderen Seite ein Glasbläser eingemeißelt, und zwar als Symbol dafür, daß es in der Gemeinde einmal ein Kohleberwerg und eine Glasbläserei gab. Auf der dritten Seite ist das Burgenlandwappen eingemeißelt, und die vierte Seite trägt die Inschrift "50 Jahre Burgenland". 1971 kirchliche Einweihung und Segnung.
Hochwasser in Schreibersdorf
Die Großgemeinde Wiesfleck wurde am 19. Juni 1986 von einer Unwetterkatastrophe heimgesucht.
Am schwersten davon war allerdings der Ortsteil Schreibersdorf betroffen.
In den Mittagsstunden gab es ein furchtbares Gewitter mit wolkenbruchartigen Niederschlägen.
Im Ortsteil Schreibersdorf riss eine Schlamm- und Geröllmure zwei Brücken weg und beschädigte mehrere andere.
Weggerissen waren die Brücken beim Feuerwehrhaus und beim Friedhof (Landesstrasse Richtung Wiesfleck).
Schreibersdorf war auch deshalb sehr betroffen, weil die Ortswasserleitung an mehreren Stellen zerstört war.
Bis zu Behebung der Schäden musste Schreibersdorf von der Feuerwehr mittels Tankwagen mit Trinkwasser versorgt werden.
Kurz vor Fertigstellung der ersten Katastrophenschädenbehebung, ging am 3. Juli 1987 in der Großgemeinde Wiesfleck erneut ein großes Unwetter nieder, wovon der Ortsteil Schreibersdorf wiederum
besonders betroffen war.
Die Schadensbehebung einschließlich Bachregulierung konnte im Juni 1988 fertig gestellt werden.
Ortsteil Weinberg
1569 erfolgte die erste Erwähnung. Um die Mitte des 17. Jahrhunderts gehörte es wie Schreibersdorf, Schönherrn u.v.a. dem Landgericht Wiesfleck an. Nach dem Bericht der Oberwarter Sonntagszeitung
(1882/2) hatte der Gemeinderat beschlossen, den Namen ihrer Gemeinde zu magyarisieren und meldetet die Änderung auf "Borhegy". Dieser Name wurde bis 1921 offiziell geführt. Weinberg, Schönherrn
und Schmiedrait wurden 1881 beauftragt, einen regelmäßigen Postboten zu halten. Das elektrische Licht kam 1950 in die Häuser und 1954 wurde auch der Ort beleuchtet.
Seit 1980 können nunmehr alle Häuser in Weinberg von Schreibersdorf ausgehend über Schönherrn mit Trinkwasser versorgt werden. 1981 wurden auch Hydranten errichtet.
Am 14.August 1982 wurde die evangelische Kirche eingeweiht.
1987 wurde der Verbindungsweg nach Unterweinberg sowie der Güterweg zur Landstraße neu asphaltiert.
Ortsteil Schönherrn
Schönherrn ist der höchstgelegene Ortsteil der Gemeinde Wiesfleck und war ebenfalls bis 1971 eine eigenständige Gemeinde. Die Gemeinden Riedlingsdorf, Wiesfleck, Schreibersdorf, Schönherrn und
Hochart bildeten vor der Gemeindezusammenlegung eine Verwaltungsgemeinschaft. 1972 wurde Hochart in Pinkafeld eingemeindet, während Weinberg aus der Verwaltungsgemeinschaft Obersschützen zu
Wiesfleck kam. Bis Ende 1986 hielten Weisfleck und Riedlingsdorf die seinerzeitige Verwaltungsgemeinschaft aufrecht.
Dem Geburtsbrief des Pinkafelder Lederers Christoph Florian aus dem Jahre 1608 ist zu entnehmen, dass die Siedlungen "am Schönherrn" und "am Weinberg" um 1580 bereits bestanden. Im Jahre 1594
scheint das Dorf Schönherrn zum ersten Mal unter der Bezeichnung "Schendarff" auf. Erst gegen Ende des 17. Jahrhunderts wurde die Form Schönherrn üblich. Es ist anzunehmen, daß das heutige
Bergbauerndorf in der Zeit der Königsberger von Knappen besiedelt wurde.
Mitte Juni 1959 wurden die Erdarbeiten für den Güterwegbau Schönherrn-Weinberg begonnen.
Nach erfolgter Planung mit Schotter war die Straße ständig befahrbar.
1966 übernimmt die Gemeinde die Genossenschaftswasserleitung in ihre Verwaltung.
1967 wird der Güterweg Schönherrn-Weinberg mit einer Schwarzdecke staubfrei gemacht.
ab 1971 Zusammenschluss mit der Gemeinde Wiesfleck.
1971 wurde auch ein Verschönerungsverein gegründet.
Das Leben im Dorf
Zur Zeit der ersten Nennung des Ortes waren es hauptsächlich Bauern, die die Lehen der Herrschaft gegen Zehentleistung zu besorgen hatten. Darunter, weil es die Bauernarbeit verlangt, ein Schmied, ein oder zwei Wassermühlen, je nach Bedarf. Auch diese Betriebe waren als Lehen vergeben und mussten dem Herrn durch Leistung entsprechender Abgaben dienen. Kühe, Ochsen und vereinzelt auch Pferde waren die Helfer der Bauern bei ihrer harten Arbeit. Mit der Sichel und später mit der Sense, mit dem "Wandl" wurden die Erntearbeiten an Getreide, Weizen, Hafer und Gerste verrichtet. Gedroschen wurde mit Dreschflegeln auf dem Tennenboden.
Stark verbreitet war auch der Hanfanbau, dessen Endergebnis Leinen war, das auf Weisen ausgelegt, täglich mehrmals mit Wasser besprengt, das begehrte weiße Hausleinen ergab. Lange noch, bis ins erste Viertel unseres Jahrhunderts, wurde diese Eigenversorgung für Hauskleidung und Wäsche in Wiesfleck betrieben. Eine "Brechelhütte" stand unweit des Angers am Weg zum Panzer, eine "Huatstubn" (Haarstube) stand in der Ried Solleiten. Mit Spinnrädern wurde das Garn gesponnen und anschließend gewebt.
Feine Hausbutter wurde aus dem handgedrehten Butterfass oder aus dem Stampffaß gewonnen.
Auch die Bienenvölker sorgten in ausreichender Menge für befruchtetes Obst und Beeren sowie für köstlich süßen Honig.
Aber auch "Hoan" (Buchweizen), Kartoffel, Wasserrüben, Burgunder und etwas Mais und Gerste wurden angebaut. Der "Hoan" wurde als Zwischenfrucht nach der abgeernteten Wintergerste angebaut und als "hoanana Sterz" auf den Tisch gebracht. Auch die Wasserrübe wurde als Zwischenfrucht nach der Haupternte eingebracht. Mohn wurde gebaut und zur Fülle des "Mohnstrudels" verwendet.
Die Dreifelderwirtschaft führte zu einer gesunden Nutzung des Ackerlandes Selbstverständlich lag der Ertrag weit unter den Mengen, die unter Verwendung von "Chemie" heute erreicht werden.
Der ein- oder mehrmalige "Sautanz" im Jahr beweist, dass den Früchten des Feldes durch Veredelung zu fleischlichen Werten manch köstlicher Geschmack beigemengt wurde. Eine Konservierung des
Fleisches erfolgte durch Pökeln und Räuchern. Leider geschah es aber des öfteren, dass es beim Selchen gelegentlich zu Bränden kam, wobei nicht nur die Selch, sondern auch Gebäude den Flammen zum
Opfer fielen.
Beim Sautanz war das Grammelfechten sehr beliebt, wobei die Fechter meist mit den "Schmergrammeln" abgespeist wurden. Auch der Sauschädel musste gut behütet werden. Die Burschen des Ortes wussten
viele Möglichkeiten, den Sauschädel zu stehlen, um ihn dann im Wirtshaus aufzukochen, den Eigentümer zum Essen einzuladen, und ihm noch ein paar Liter Wein zum Hinunterspülen herauszulocken. Dass
dabei gute Miene zum nicht bös' gemeinten Spiel gemacht wurde, braucht nicht gesondert erwähnt zu werden.
Die Faschingszeit gab Gelegenheit zu Tanz und Ausgelassenheit. Dass auch handfeste Gerangel um die holde Weiblichkeit vorkamen, gehörte zum guten Ton. Was wäre eine Unterhaltung ohne eine gesunde Rauferei gewesen? Nicht auszudenken! Sowas gehörte einfach dazu wie die Braut zum Bräutigam. Auch bei den Hochzeiten gab es manche lustigen Bräuche, die auf realen Ursprung zurückgehen. So musste die Braut ausgebeten werden, und vor dem versperrten Tor des Brauthauses entspann sich ein reger Handel zwischen Hochzeitsbitter und Eltern um den Wert der Braut. Da wurden alle Vorzüge der Braut angepriesen und der Preis hochgetrieben. Manchmal wurde echtes Geld, oft aber eignes Hochzeitsgeld in Zahlung gegeben. Als man endlich handelseins war, wurde zuerst eine falsche Braut, meist ein Bursche als Braut verkleidet, beim Haustor rausgelassen und nach sofortiger Demaskierung mit Protest zurückgewiesen. Erst danach erschien verschämt und aufgeregt die richtige Braut. Böller wurden abgefeuert und Hochzeitskrapfen in der wartenden Menge verteilt. Den Erlös aus dem Handel erhielt die Burschenschaft, die den Kummer um den Verlust eines heiratsfähigen Mädchens in Alkohol ertränkte.
Heiratete ein Mädchen in ein anderes Dorf, wurde vorgezogen. Ein Balken, links und rechts mit gemascherlten Bäumchen, sperrte die Strasse, die das Brautpaar mit dem geschmückten Pferdewagen zur Kirche nehmen musste. Musik spielte auf und unterhielt die wartende Menge, denn eine Hochzeit war immer ein Fest für das ganze Dorf. Böller krachten, als die Hochzeitswägen zur Straßensperre rollten. Ein Bursch bedauerte den Abgang eines Mädchens in ein anderes Dorf, schalt die eigene Burschenschaft, den Verlust zugelassen zu haben und wünschte letztendlich Glück und Segen dem jungen Paar. Das alles brachte er in Form eines Gedichtes vor. Sodann wurde nach einem Freikauf die Straßensperre aufgehoben, und die Burschen machten sich einen schönen Tag. Nach der Trauung wurde meist noch von den Burschen die Braut gestohlen und in ein Gasthaus verschleppt. Der Beistand, für die Braut verantwortlich, musste sie suchen und durch bezahlen der gemachten Zeche auslösen.
Zu den geselligen Hausarbeiten zählte das Federnschleißen. Die Federn des lieben Federviehs wurden das ganze Jahr über gesammelt. An Winterabenden kamen Nachbarsfrauen und Dirndl in den großen Stuben zusammen, um die Stiele vom Federflaum zu trennen. Dabei musste man sich ruhig verhalten, denn bei raschen Bewegungen oder gar prustendem Lachen flog der Flaum in alle Windrichtungen. War aber die Arbeit getan, gab es ein lustiges Zusammensitzen mit Speis und Trank. Der Federnflaum wurde sorgsam aufgehoben, um die Pölster und Tuchenten der Federbetten zu verfeinern oder um die Aussteuer einer Braut für das Eheliche Brautbett zu ergänzen. Kam man aber dahinter, dass sich zwischen einem Burschen und einem Mädel eine Liebschaft entwickelte, waren am nächsten Morgen die Stiele auf dem Weg vom Haus des Mädchens zum Haus des Burschen gestreut. Das konnte heißen: Du kannst schon kommen, für ein gutes, vor allen Dingen weiches Zusammenleben, sind gute Voraussetzungen geschaffen.
Der Faschingsausklang bis zum Aschermittwoch war der Höhepunkt der dörflichen Unterhaltung vor der Fastenzeit. In allen Wirtsstuben ging es ohne Sperrstunden hoch her. Am Vormittag des
Aschermittwoch wurde der Fasching begraben. Der Fasching, dargestellt durch eine mit alten Kleidern angezogene Strohpuppe, wurde unter den brutal falschen Klängen der "Musikbanda" vom Gasthaus
zum Platz vor dem Feuerwehrhaus getragen. Ein als Priester verkleideter Bursche und eine Menge Leute begleiteten den Leichenzug. Der Priester hielt eine launisch-tragische Abschiedsrede.
Mit dem Gejaule der Musik, in das viele Hunde einstimmten, wurde der Fasching "im Namen des Schnapses, des Bieres und des Weines" abgesegnet, angezündet und die brennenden Überreste in den
Zickenbach geworfen.
Die Musik spielte danach von Haus zu Haus und bekam überall Spenden für ihre aufopfernde Arbeit während der Faschingstage.
Auch ein "Hexenbirnbaum" gab es im romantischen Wiesfleck. Auf dem Fußsteig, der ein "Abschneider" des Fahrweges von Wiesfleck nach Schreibersdorf war, stand am "Brenner Jiaglas" Riegel Nr. 60 ein Birnbaum, von dem es hieß, dass um die Mitternachtsstunde "Hexen" zu manchem Unfug zusammenkamen. Gesehen wurden aber keine.
Auch die freundliche Budelfrau oder Budelmutter besuchte nach Weihnachten die Häuser des Ortes.
Diese Budelfrau wird dargestellt als weißgekleidete alte Frau mit einer brennenden Kerze in der Hand. Sie kommt zu den Bewohnern des Hauses, hauptsächlich aber zu den Kindern und verteilt Gaben,
vornehmlich Dörrobst. Bevor sie ins Haus tritt, ruft sie: "Pi meine Hendl, pi meine Hähne!".
Sie erhält auch Gegengeschenke. Allzu selbstlos mag sie aber doch wohl nicht gewesen sein.
Bekommt sie in einem Haus einmal nichts, ruft sei beim Fortgehen: "Pi, mein Hendl, nichts sollts legen das ganze Jahr."
Um den 13. Dezember geht auch die heilige Lucia (Lutzel) durchs Dorf. Es ist dies eine weißgekleidete Frau mit brennenden Kerzen im Haar, in den Händen Spinnlocken und Federwisch tragend.
Vom Kuckuck wird gesagt: am 9. und 10. April kann der Kuckuck schreien, am 13. und 14 April muss er schreien. Wenn das erste Getreidemandl steht, verstummt er. In der Zeit, in der er nicht schreit, ist er ein Habicht.